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Aktuelles aus dem Ludmillenstift

In diesen Tagen hieß es Abschied nehmen: Hudhaifa kehrt in seine Heimat in den Jemen zurück. Eineinhalb Jahre war der Zehnjährige Patient der Kinderstation C02 im Ludmillenstift. „Es ist, als ob ein Familienmitglied geht“, sagen die Schwestern der Station.

 

Vorne von links: Erzieherin Kerstin Pieters, Kinderpflegerin Michaela Kiesgen, Hudhaifa, Stationsleiterin Reinhild Skibicki, Chefarzt Dr. med. Kai Günsche, hinten von links: Assistenzarzt Mohammed Attia, Kinderkrankenschwester Theresa Kotte und Chefarzt Dr. med. Jan-Gerd Blanke.

Für Hudhaifa war die Kinderstation wie ein zweites Zuhause. Im Sommer 2014 spielte der Junge mit seinen sechs Geschwistern im Garten. Ein unachtsamer Moment und es war passiert: Hudhaifa fiel von der Schaukel und brach sich den rechten Oberschenkel. Was folgte, war eine Prozedur aus einer schwierigen Operation, einem nicht heilen wollenden Knochen und einer Osteomyelitis, eine infektiöse Entzündung des Knochenmarks. Über das Hammer Forum, eine Initiative, die sich um die medizinische Behandlung von Kindern aus Krisengebieten kümmert, kam Hudhaifa im November 2014 ins Ludmillenstift nach Meppen. In ein fremdes Land, mit einer fremden Kultur und fremder Sprache, ohne seine Familie.

Etwa sechs Operationen musste der schmächtige Junge überstehen. „Wir mussten den entzündeten Knochen entfernen, den Weichteilinfekt beherrschen und den Knochen zunächst mit einem Fixateur stabilisieren, bevor wir einen  Knochensegmenttransport durchführen konnten“, erklärt der Chefarzt der Orthopädie, Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Dr. med. Kai Günsche. „Hierbei wird ein zusätzlicher Knochenbruch angelegt und mittels eines Transportfixateurs Knochengewebe verschoben, so dass neuer Knochen entsteht. Dies ist ein sehr aufwendiges und zeitintensives Verfahren.“ „Aber Hudhaifa hat die Behandlung gut überstanden“, berichtet Mohammed Attia. Der Assistenzarzt der Orthopädie, Unfall- und Hand- und Wiederherstellungschirurgie war für Hudhaifa eine ganz besondere Bezugsperson und die Verbindung nach Hause. Denn er nahm regelmäßig Kontakt zur Familie auf, konnte übersetzen und weiterhin mit Hudhaifa Arabisch sprechen und ein kleines Stück Heimat in sein Zimmer auf der Kinderstation bringen.

Schließlich saß der Junge wochenlang im Rollstuhl fest, konnte nicht laufen und musste Schmerzen aushalten. Danach folgte eine intensive Phase aus Physiotherapie, Lauftraining, Schwimmen. Mehrmals täglich machte Hudhaifa Übungen, um die Muskulatur in seinem Bein wieder aufzubauen. „Das ganze Team hat die Zeit hier sinnvoll genutzt“, so Stationsleiterin Reinhild Skibicki. Der Zeitpunkt des Rückflugs musste nämlich mehrfach verschoben werden. Aufgrund der Unruhen im Jemen konnten dort keine Flugzeuge landen. In dieser Woche soll es nun klappen. Dann gibt es ein großes Fest für Hudhaifa. „Meine Familie wird mich vom Flughafen abholen und dann feiern wir alle gemeinsam meine Rückkehr. Ich freue mich riesig, sie wieder zu sehen.“ Im Gepäck hat Hudhaifa neue Kleidung, schließlich ist er in den eineinhalb Jahren auch gewachsen. Und Spielzeug findet man in seinem Koffer. „Hudhaifa hat hier einige Spiele kennengelernt, er kann es kaum erwarten, diese seinen Geschwistern beizubringen“, erzählt seine Lieblingsschwester Theresa Kotte. Aber am liebsten hätte er Butter mit in den Flieger genommen. „Wir kennen bei uns keine Butter. Und die schmeckt so gut!“ sagt er. Leider verstößt das gegen die Vorschriften. Aber nicht fehlen darf ein großes Foto, das ihn mit dem gesamten Team der Kinderstation zeigt: Kinderärzte, Unfallchirurgen, Kinderkrankenschwestern und eine Erzieherin. Alle haben sie den kleinen Wirbelwind lieb gewonnen. Nun tritt er den Heimweg an, in eine völlig andere Welt, zurück zu seiner Familie. „Wir wünschen ihm von Herzen alles Gute“, so Chefarzt Dr. med. Jan-Gerd Blanke.




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